Braucht FotoKunst TextE?

Braucht Kunst Texte? Braucht sie Worte? Sind Kunstwerke nicht Informationsträger, die ohne Worte auskommen? Kann ein Text ein Kunstwerk verständlich machen, es erweitern, konterkarieren oder gar zerstören? Hat ein Text die gleiche Kraft wie ein Bild? Gibt es eine einander bedingende Beziehung?


Ich fotografiere aus einem Gefühl heraus, der Zugang ist dem entsprechend auf einer Gefühlsebene von Gefallen und Nicht-Gefallen.

Bis auf wenige Ausnahmen geht es mir um die Interpretation von Natur und Portrait.

Nicht die sog. Wirklichkeit steht im Mittelpunkt sondern das Empfinden darüber. Radikal formuliert gibt es kein Objekt ohne Subjekt und weiter betrachtet ist das fotografische Objektiv mitnichten objektiv.

 

Diese Ansicht ist nicht unbedingt neu und geht zurück bis hin in die Philosophie von Kant und Schopenhauer „in die Wahrnehmung der Dinge“.

 

Der Schlüssel kann wissenschaftlich logisch aber auch emotional subjektiv sein.

 

Deshalb: ein Hoch auf die Fotografie. Diese verbindet die zwei Elemente – zwischen Technik und Einstellung.

 

Weiter gedacht gab es schon immer fotografische Techniken wie Doppelbelichtungen und fortführende Arbeiten im Fotolabor, die ganz wesentlich die Bildsprache beeinflusst haben.

 

Böse Zungen würden sagen, es sind Manipulationen und qualifizieren damit das Wahrheitsgetreue herab. Aber wenn es keine Wahrheit gibt, kein unabhängiges Objekt vom Betrachter, dann ist alles was hinzukommt ein Gewinn. So z.B. schätze ich die Arbeiten von Dirk Brömmel der auf seine Architekturarbeiten durch Doppelbelichtungen eine Zeitschiene mit Politikern setzt.

 

Meine Zeitebene ist das Zusammenfügen von Portraits und Struktur. Praktisch erklärt warten die von mir fotografierten Aufnahmen mitunter wochenlang im Computer, bis ich die richtige Bildassoziation auf den Punkt gebracht habe. Es steht die Frage im Raum, wie interpretiere ich das Motiv, welche Komposition gewährt einen sinnlichen oder zerstörenden Zugang, wie kann ich ein Bild aufbrechen. Einfacher formuliert, was macht das Bild mit mir?

 

Es ist das Mischverhältnis zwischen den jeweiligen Ebenen, deshalb nenne ich meine Arbeiten auch behind the face.

 

Ein Text kann sicher helfen einen Zugang zu bekommen, aber durch einen Text wird ein Bild zwingend und führt den Betrachter in eine bestimmte Richtung, besser wäre es, das Bild transportiert seine eigene Sprache.

 

Meine Borderline Serie ist ein gutes Beispiel. Allein der Titel führt schon zu einem konkreten Krankheitsbild und der Betrachter denkt: aha! das sind ja DIE.

 

Entfällt der Titel, kann es auch ganz allgemein der Schmerz, die Einsamkeit oder die Verzweiflung darstellen. Es geht eher um den seelischen Zustand, um die Übertragung auf eine abstrakte Ebene.